{"id":4685,"date":"2022-05-03T10:00:00","date_gmt":"2022-05-03T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/genus-develop.go-vip.co\/pic-de\/?post_type=resources&#038;p=4685"},"modified":"2022-05-02T11:52:25","modified_gmt":"2022-05-02T09:52:25","slug":"resilienz-in-der-schweinezucht","status":"publish","type":"resources","link":"https:\/\/genus-develop.go-vip.co\/pic-de\/resources\/resilienz-in-der-schweinezucht\/","title":{"rendered":"Resilienz in der Schweinezucht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Resilienz, ein Begriff der uns in letzter Zeit immer wieder begegnet. Als Resilienz eines Unternehmens, als Resilienz von Menschen, z.B. im Rahmen der Corona-Pandemie, aber auch in Bezug auf Tiergesundheit.<\/p>\n\n\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7248 size-medium\" src=\"https:\/\/genus-develop.go-vip.co\/pic\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/04\/KnapP_150x210.png?w=150&#038;resize=150%2C210\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"210\"><em>Wir haben <strong>Dr. Pieter Knap, bei PIC u. a. zust\u00e4ndig f\u00fcr die Ausrichtung der genetischen Strategie<\/strong>, gefragt was Resilienz f\u00fcr den Z\u00fcchter bedeutet, wie die damit verbundenen Eigenschaften vererbt werden und ob wir darauf z\u00fcchten k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n<p><strong><em><span class=\"has-inline-color has-blue-color\">1 &#8211; Was versteht ein Tierz\u00fcchter unter Resilienz?<\/span><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Produktionsleistung eines Nutztieres h\u00e4ngt von seinem genetischen Potenzial ab, und noch mehr von den Haltungs- und F\u00fctterungsbedingungen im Betrieb. Wenn sich diese Bedingungen verschlechtern, wird ein Tier mit einer h\u00f6heren Resilienz besser in der Lage sein, sein genetisches Potenzial zum Ausdruck zu bringen und somit seine Leistung aufrechtzuerhalten. Es ist robuster. Das ist nicht ein alles-oder-nichts Merkmal, sondern ein mehr-oder-weniger Merkmal, quasi von 0 bis 100. Und auch diese Resilienz ist teilweise genetisch bedingt.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-blue-color\"><strong><em>2 &#8211; Wie kann so eine &#8222;Verschlechterung der Bedingungen&#8220; aussehen?<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Hierzu z\u00e4hlt alles, was die Leistung beeintr\u00e4chtigen kann: Unzureichende Ern\u00e4hrung, das Klima (zu kalt, zu hei\u00df, zu schlecht bel\u00fcftet), sozialer Stress in der Gruppenhaltung, und nat\u00fcrlich Infektionskrankheiten. F\u00fcr jeden dieser Stressoren gibt es Tiere (und Menschen\u2026), die besser damit umgehen k\u00f6nnen als andere.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><span class=\"has-inline-color has-blue-color\"><em>3 &#8211; Wie profitieren Landwirte von resilienten Tieren?<\/em><\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Resiliente oder robuste Tiere gehen besser mit Stressoren um. Verschlechtern sich die Haltungs- oder F\u00fctterungsbedingungen im Betrieb, dann halten sie ihre Produktionsleistung besser aufrecht. Verbessern die Bedingungen sich wieder &#8211; und davon sollten wir immer ausgehen &#8211; dann leisten sie noch besser.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>4 &#8211; Was bedeutet Resilienz in direktem Zusammenhang mit Gesundheit? Oft wird von Resistenz, aber auch Resilienz gesprochen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hier geht es um die Resilienz gegen Infektionskrankheiten. Diese hat zwei Komponenten: <em>Resistenz <\/em>und <em>Toleranz<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Krankheits<span style=\"text-decoration: underline\">resistenz<\/span> h\u00e4ngt von der Qualit\u00e4t meines Immunsystems ab: Funktionieren zum Beispiel meine wei\u00dfen Blutk\u00f6rperchen besser, dann ist mein K\u00f6rper besser in der Lage Krankheitserreger abzut\u00f6ten, bevor sie Schaden anrichten k\u00f6nnen: Dann bin ich resistenter \u2013 auch ein mehr-oder-weniger Merkmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird mein Immunsystem durch eine Infektion aktiviert, dann kostet der Aufbau der Antik\u00f6rper Energie und Eiwei\u00df. Und ich f\u00fchle mich nicht wohl, verliere oft den Appetit, habe Fieber, und das kostet jede Menge Energie. W\u00e4re ich ein Mastschwein, best\u00fcnde die erste Reaktion meines K\u00f6rpers meist darin, meine Wachstumsrate zu reduzieren: Die Produktionsleistung geht runter. Das ist eine Reaktion meines K\u00f6rpers auf die Aktivierung des Immunsystems. Und wenn meine Resistenz nicht ausreicht und der Erreger deswegen durchbricht, dann ist die n\u00e4chste Frage, wie der K\u00f6rper mit den Sch\u00e4digungen umgeht. Diese beiden Reaktionen des K\u00f6rpers (die Immunreaktion an sich und die Reaktion auf die Sch\u00e4digungen durch den Erreger) bilden die zweite Komponente der Krankheitsresilienz, n\u00e4mlich die Krankheits<span style=\"text-decoration: underline\">toleranz<\/span>. Biologisch gesehen eine ganz andere Eigenschaft als Resistenz, und auch ein mehr-oder-weniger Merkmal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>5 &#8211; Gibt es F\u00e4lle, wo Tiere nicht resistent, aber 100 % tolerant sind?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ein aktuelles Beispiel ist Afrikanische Schweinepest. Das ASP-Virus ist schon Jahrhunderte lang ein unschuldiges Kommensale des afrikanischen Warzenschweins [Kommensale: Organismus, der sich von der Nahrung eines (artfremden) Wirtsorganismus ern\u00e4hrt, ohne ihm dabei zu schaden]. Sie sind nicht resistent dagegen, sie tragen das Virus in sich herum, es vermehrt sich in ihrem K\u00f6rper, und sie stecken einander an. Aber sie sind hochtolerant: Sie werden nicht krank, das Virus schadet ihnen nicht. Im Jahr 1905 wurden europ\u00e4ische Hausschweine nach Kenia importiert, und wurden dort sehr extensiv gehalten, kamen also leicht in Kontakt mit Warzenschweinen. Und damit hat die heutige Epidemie angefangen, denn Hausschweine sind \u00fcberhaupt nicht tolerant gegen ASP: Sie sterben aufgrund einer Hyperreaktion ihres eigenes Immunsystems. Es ist nicht das Virus, das sie t\u00f6tet, es ist ihr eigenes Immunsystem, das vom Virus aktiviert wird und dann sozusagen ausflippt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dasselbe gilt zum Beispiel f\u00fcr Ebola in Afrika: Ein harmloses Fledermausvirus, das seinen Weg zu Antilopen, Affen und Menschen gefunden hat, die aufgrund ihrer Nicht-Toleranz daran sterben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>6 &#8211; Lassen sich Resistenz und Toleranz einzeln messen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, aber nicht einfach, weil es quantitativ sein muss: Alles-oder-nichts ist nicht sehr hilfreich f\u00fcr die Selektion in der normalen Tierzucht \u2013 wir brauchen eine Zahl, wie 23 oder 84. Um Resistenz zu quantifizieren, muss dann die Menge der Krankheitserreger im K\u00f6rper irgendwie gez\u00e4hlt werden. Bei Darmparasiten von Schafen z\u00e4hlt man unter dem Mikroskop die Eier in einer Kotprobe. F\u00fcr Bakterien und Viren gibt es Labortests, wie die Covid-Schnelltests, die wir inzwischen alle kennen. Das entscheidende Thema beim Covid-Test ist &#8222;infiziert oder nicht&#8220;, aber mit etwas zus\u00e4tzlichem Aufwand geht es auch quantitativ: Wie sehr ist jemand infiziert? Das ist teuer: Ein PCR-Test auf PRRS kostet etwa 30 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Messung der Toleranz ist noch aufw\u00e4ndiger, denn es geht um die Reaktion des K\u00f6rpers auf den Infektionsdruck. Das erfordert mindestens zwei Datenpunkte: Einen bei einem niedrigen Infektionsdruck und einen bei einem h\u00f6heren. Das ist bei ein und demselben Tier schwierig, daher w\u00e4re es f\u00fcr z\u00fcchterische Anwendungen praktischer, mit Gruppen von Verwandten zu arbeiten. Nachkommengruppen von KB-Ebern zum Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Es ist m\u00f6glich, aber kompliziert und teuer. Stand heute nicht tauglich f\u00fcr die Schweinepraxis, wir m\u00fcssen auf bessere Technologien warten. Mittlerweile tun wir das N\u00e4chstbeste: Wir selektieren auf Produktionsleistung unter nicht-optimalen Bedingungen, also auf die Resilienz an sich. Das Gute daran ist nat\u00fcrlich, dass wir die Resilienz von einer Generation zur n\u00e4chsten steigern. Der Nachteil ist, dass wir nicht wissen, inwieweit die Verbesserungen \u00fcber eine verbesserte Resistenz oder \u00fcber eine h\u00f6here Toleranz erfolgen. Das w\u00e4re vor allem wichtig f\u00fcr den Fall, in dem Resistenz und Toleranz negativ korreliert sind, denn das k\u00f6nnte dann leicht zu unerwarteten und unerw\u00fcnschten Ver\u00e4nderungen von einem der beiden f\u00fchren, meistens diejenige mit der niedrigsten Erblichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>7 &#8211; Ein Tier ist weder resistent noch tolerant und infiziert sich. Welche Eigenschaften und Umst\u00e4nde sind g\u00fcnstig und welche nicht?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Tier mit Resistenz = 0 und Toleranz = 0 kann weder den Erreger (Resistenz) noch seinen Sch\u00e4digungen (Toleranz) beseitigen. Das ist dann hoffnungslos: Es wird sterben.<\/p>\n\n\n\n<p>Tiere (und Menschen), die wenig resistent und wenig tolerant sind, sollten geimpft werden: Das ist immer die beste L\u00f6sung, und oft die einzige. Auch f\u00fcr die h\u00f6her Resistenten und Toleranten: Impfen ist immer eine gute Idee. Aber daf\u00fcr braucht man einen Impfstoff, und f\u00fcr neue Krankheiten dauert das meistens sehr lange. Ich kenne Wissenschaftler, die schon 20 Jahre an einem ASP-Impfstoff arbeiten, das ist ein sehr komplizierter Virus mit geringer Verwandtschaft zu anderen Viren, also m\u00fcssen sie alles von Grund auf neu aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>8 &#8211; Die Zucht will also keine Superspreader?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hochtolerante Tiere (und Menschen) brauchen keine Resistenz: Sie sind ja tolerant, sie werden nicht (oder nur wenig) krank. Werden sie infiziert, kann der Erreger lange Zeit in ihrem K\u00f6rper aktiv bleiben; und die ganze Zeit k\u00f6nnen sie ihn auf andere \u00fcbertragen. Das kennen wir aus den fr\u00fchen Zeiten der Covid-Epidemie: Gesunde junge Menschen, die in Norditalien in den Skiurlaub gefahren sind, mit dem Virus zur\u00fcckkamen und sich dann nur ein paar Tage etwas schwach gef\u00fchlt haben \u2013 die haben das Virus einige Wochen lang verbreitet, ohne es zu wissen. Sehr tolerant zu sein, ist also vorteilhaft f\u00fcr den Einzelnen, kann aber f\u00fcr die Gruppe, in der er lebt, sehr gef\u00e4hrlich sein \u2013 es sei denn, die ganze Gruppe ist hochtolerant (wie bei den Warzenschweinen) oder hochresistent (zum Beispiel weil geimpft).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>9 &#8211; Kann die Zucht vorhersagen, welches Tier zum Superspreader neigt und welches nicht?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr muss man dir Toleranz quantifizieren. Und wie gesagt, das ist schwierig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>10 &#8211; Warum ist die Herdenresilienz so wichtig?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Resistenz ist eine Eigenschaft des Individuums: Sie beeinflusst die individuelle Resilienz. Der Verlauf eines Krankheitsausbruchs in einer Gruppe ist davon nat\u00fcrlich abh\u00e4ngig: Wenn viele Gruppenmitglieder ausreichend resistent sind, hat eine Epidemie wenig Chance. Aber es gibt zwei andere Komponenten: Infektiosit\u00e4t und Heilungsf\u00e4higkeit. Ein infiziertes Tier ist meistens auch infekti\u00f6s, es kann den Erreger unter seinen Gruppengenossen verbreiten. Inwieweit das geschieht, h\u00e4ngt von der Gruppendynamik ab: Wie intensiv es mit ihnen in Kontakt kommt, wie gro\u00df der Gruppe ist, usw. Und das so lange, bis das Immunsystem des infizierten Tieres seinen K\u00f6rper vom Erreger gereinigt hat, und da spielt die Bilanz zwischen Resistenz und Toleranz wieder eine wichtige Rolle: Hochresistente Tiere werden den Erreger schnell los, aber hochtolerante Tiere k\u00f6nnen sehr lange infekti\u00f6s sein. Die Herdenresilienz ist also mehr als blo\u00df der Mittelwert der individuellen Resilienz-Werte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>11 &#8211; Die PIC sammelt seit Jahren Praxisdaten. Was und wie messen bzw. berechnen Sie Resilienzen genau?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das tun wir seit 2003. Junge Nukleuseber werden erst auf Kreuzungssauen in Praxisbetrieben eingesetzt, bevor sie in der Reinzucht aktiv werden. Die Kreuzungsnachkommen (derzeit gut 100.000 j\u00e4hrlich) werden als herk\u00f6mmliche Mastschweine gem\u00e4stet und geschlachtet, und ihre Leistungsdaten werden in die Zuchtwertsch\u00e4tzung ihrer reinrassigen Halbgeschwister (die Selektionskandidaten im Nukleus) eingespeist. Es geht dann um die \u00fcblichen Daten, die wir vom Schlachthof zur\u00fcckgeschickt bekommen: Schlachtgewicht, MFA und Muskel-pH. Und vom Betrieb: Anomalien und Sterblichkeit. Diese Betriebe haben durchschnittlichen Gesundheitsstatus und kommerzielle Haltungsbedingungen, und damit ist die Produktionsleistung ein n\u00fctzlicher Indikator f\u00fcr die Resilienz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>12 &#8211; Sollte die Umwelt auf den Pr\u00fcfbetrieben &#8222;unfreundlich&#8220; bleiben? Was machen Sie, wenn sich der Betrieb deutlich verbessert und der Gesundheitsstatus dem eines Nukleusbetriebes angen\u00e4hert hat?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dann m\u00fcssen wir einen anderen Pr\u00fcfbetrieb finden. Ohne Probleme gibt es keine Variation, und ohne Variation ist keine Zucht m\u00f6glich. Derartige Daten k\u00f6nnen nur von Problembetriebe kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>13 &#8211; Neben der Resilienz in puncto Tiergesundheit gibt es auch eine sog. soziale Resilienz. Was versteht man darunter? Auch Hitze kann zum Stressfaktor werden. Gibt es Tiere, die besser mit steigenden Temperaturen zurechtkommen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und K\u00e4lte auch. Hitzestress ist ein wichtiger Stressfaktor bei Milchk\u00fchen im S\u00fcden der USA und S\u00fcdamerika, und die damit verbundene Resilienz ist erblich. Wir sehen es auch bei s\u00e4ugenden Sauen. Und soziale Resilienz ist vor allem wichtig in der Gruppenhaltung; wir Menschen sind in unserem Sozialverhalten sehr variabel und das ist bei anderen S\u00e4ugetieren genauso. Die F\u00e4higkeit, mit unterschiedlichen Gruppengenossen umzugehen, ist auch bei Schweinen variabel und erblich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>14 &#8211; Wie hoch sind Merkmale der Resilienz vererblich?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00e4ngt von der genetischen Struktur des Resistenz- und Toleranzmechanismus f\u00fcr die jeweilige Krankheit ab. Die Coli-F4- und -F18-Resistenz bei Schweinen wird von einem einzelnen Gen reguliert, das ist sehr hoch erblich. Das gilt auch f\u00fcr die Scrapie-Resistenz bei Schafen, und die IPN-Resistenz des Lachses. Resistenzmechanismen mit eher konventionellem genetischem Hintergrund (viele Gene, jedes mit kleinem Effekt) zeigen Heritabilit\u00e4ten von bis zu 40 %. Die Sch\u00e4tzungen f\u00fcr die Toleranz sind niedriger und liegen bei 10 bis 20 %. Mir sind zwei Studien zum genetischen Hintergrund der Infektiosit\u00e4t (bei Milchk\u00fchen und beim Steinbutt) bekannt, in denen eine signifikante genetische Variation festgestellt wurde, die Heritabilit\u00e4t jedoch nicht berechnet werden konnte, weil die statistischen Modelle zu komplex waren; aber erblich ist es ganz klar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>15 &#8211; Wie lange dauert es, resilientere Tiere bereitzustellen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das machen wir schon seit Jahren\u2026 siehe Frage 11. Eine ganz andere Methode als die klassische Selektion ist die Genom-Editierung, die wir derzeit anwenden, um 100 % Resistenz gegen PRRS zu erreichen. Dieses Virus nutzt einen sehr cleveren Weg, um sich im K\u00f6rper des Schweins fortzupflanzen: Es kapert ein bestimmtes Protein der wei\u00dfen Blutk\u00f6rperchen. Dieses Protein sieht aus wie eine kleine Kette aus neun Perlen, und das Virus bindet sich an die Perle Nummer 5. Wir entfernen das St\u00fcck dann, das diese Perle reguliert, aus dem Gen, das Schwein vermehrt\/produziert Perle Nummer 5 dann nicht mehr, und damit kann sich das Virus nicht vermehren. Mit anderen Worten, das Schwein ist v\u00f6llig resistent. Die Methode an sich wurde ca. 2013 entwickelt, und wir hoffen ungef\u00e4hr im Jahr 2025 die Genehmigung zum Verkauf dieser Tiere zu erhalten, in erster Linie in Nordamerika und Asien. In Europa wird es viel l\u00e4nger dauern. Also, um die Frage zu beantworten: So was dauert locker zw\u00f6lf Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\"><strong><em>16 &#8211; Gibt es neben der Zucht weitere Ans\u00e4tze, die Resilienz zu verbessern?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das wollen wir doch hoffen\u2026 bei 10 bis 40 % Heritabilit\u00e4t sind 60 bis 90 % der Variation umweltbedingt. Aber ich bin Z\u00fcchter; Sie werden andere fragen m\u00fcssen, was in den nicht-genetischen Fachgebieten passiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><em>Resilienz \u2013 ein sehr komplexes Thema und weites Feld, das nur interdisziplin\u00e4r zu bearbeiten ist. Gerade im Hinblick auf die Herdenresilienz sind Epidemiologie und Diagnostik verzahnt. Neue Rechenmodelle, weitere epidemiologische Studien, neue Technologien etc. werden helfen, die Widerstandsf\u00e4higkeit unserer Tiere weiter zu verbessern und zur Nachhaltigkeit in der Tierproduktion beizutragen.<\/em><br><em>Es bleibt spannend \u2026 Never Stop Improving.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Resilienz, ein Begriff der uns in letzter Zeit immer wieder begegnet. 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